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BeitragVerfasst: Mi 5. Feb 2014, 20:02 
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Beiträge: 482
Welchen Hatz-Traktor habt Ihr?: H113
Schon längere Zeit war ich auf der Suche nach einem kleinen Zweizylinder-Hatz-Schlepper.
Nachdem sich über Jahre jedoch nichts passendes ergeben hatte, war im Sommer 2013 die Chance da:
ein Zweizylinder Güldner A2KS (Spessart), Baujahr 1962, 15 PS mit Heck-Hydraulik und hydraulischen Mähwerk
Dateianhang:
Dateikommentar: Güldner A2KS Zustand beim Kauf
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Als Nachfolger des Güldner AK kam 1959 der Güldner A2K auf den Markt. Anfangs hat er kurz den Beinamen "Sprinter II", schon nach einem Monat wird er der sog. "Europa-Reihe" zugeordnet und erhält hier die Verkaufsbezeichnung "Spessart". Es gibt folgende Untervarianten: A2KN (grün lackiert, bis etwa 1962) und A2KS (rot lackiert). Der Nachfolger des Güldner A2KS, der Güldner G15 erhält nur eine neue Optik entsprechend der G-Reihe, bleibt aber technisch identisch.


Vorab - einige zur Restauration erforderlich Informationen erhielt ich von den Traktorfreunden aus dem Güldner-Forum (http://www.gueldner-forum.de). Hierfür herzlichen Dank!

Argumente, die für den kleinen sprachen:
Hydraulik, Mähwerk, relativer guter Allgemeinzustand, für seine 15 PS und Zweizylinder ein echt wendiges Kraftpaket und er hat dasselbe ZF A4-Getriebe verbaut wie mein Hatz H113 (da kenn ich mich aus) ;-)

Wie ging es dann los?

Was als erstes geschah:
- Motoröl gewechselt
- Getriebeöl gewechselt
- Hydrauliköl gewechselt
- Luftfilter gereinigt (das war mal dringend nötig, nach dem vorhandenen Ölschlamm zu urteilen war das länger nicht mehr geschehen, nun raucht der kleine unter Volllast deutlich weniger!)!
- Filter des Hydrauliköls ausgewaschen
- Dieselfilter erneuert
- Bremsen neu belegt
- Hinterachse abgedichtet
- Ventile neu eingestellt
- Ölkühler gereinigt (auch das war mal dringend nötig!)
- den Originalsitz (der in einem erbärmlichen Zustand war) habe ich durch einen gefederten und verstellbaren Fahrersitz ausgetauscht
- Auspuff und Krümmerrohr waren durchgerostet, weshalb ich mich entschieden habe, die ganze Sache nachzubauen:
Dateianhang:
Dateikommentar: Neuer Krümmer + Auspuff
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Dateianhang:
Dateikommentar: Alter Auspuff
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Dateianhang:
Dateikommentar: Neuer Auspuff beim Lackieren
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Dateianhang:
Dateikommentar: Krümmer
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Dateianhang:
Dateikommentar: Krümmer Nachbau
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Danach ein wenig "Optik":
Den Traktor habe ich zunächst mit Waschbenzin und Aceton von Öl- und Fettschleier befreit. Ich wollte mal sehen, was "Drunter" steckt. Der Schlepper an sich ist schön patiniert. Roststellen sind lediglich an den hinteren Kotflügeln vorhanden. Da Armaturenbrett und Motorhaube aus Aluminium-Guss bestehen hat er die typischen Farbabplatzer und teilweise auch Aluminiumrost. Deswegen habe ich mich auch dazu entschieden, eine Teillackierung zu machen, auch um die Substanz zu erhalten.
Dateianhang:
Dateikommentar: Fahrzeugwäsche
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Vom Vorbesitzer war mal der komplette Schlepper mit "Bauernblind" übertüncht worden, vermutlich musste es schnell gehen, abgeklebt wurde nichts:
Dateianhang:
Dateikommentar: Scheinwerfer Typ "bauernblind"
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hier die Heckleuchte abgeschliffen und neu lackiert:
Dateianhang:
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der Fritz-Meier-Überrollbügel ebenfalls abgeschliffen und neu lackiert:
Dateianhang:
Dateikommentar: Fritz-Meier-Bügel
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Der Güldner hatte leider nur auf einer Seite einen Sitzbügel (zu sehen auf meinem ersten Bild). Da man Kinderaugen immer zum Strahlen bringt, wenn sie Traktor mitfahren dürfen musste noch ein weiterer Sitzbügel her - natürlich originalgetreu! Ein Sitzbügel für die rechte Seite gab es früher laut Prospekt als Sonderausrüstung. Also Sitzbügel für die rechte Beifahrerseite nachgebaut, Kotflügel ausgebeult, entrostet und lackiert:
Dateianhang:
Dateikommentar: Kotflügel
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Dann war das Armaturenbrett und die Elektrik dran:
Dateianhang:
Dateikommentar: Armaturenbrett
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frisch lackiert, neue Anzeigeleuchten und ein neuer Betriebsstundenzähler (jetzt kann ich den Traktor als fabrikneu verkaufen );-)
Beim Ausbauen des Armaturenbretts war ich schon erstaunt, als zu erkennen war, dass der Tank einstmals grün lackiert war. Offensichtlich stammt mein Güldner aus der Umstellungsphase als man die Lackierung von grün in güldner-rot geändert hat (wahlweise gab es die Schlepper der A-Serie auch in blau!). Nach meinen Informationen wurden ab 1962 alle Güldner Modelle in rot ausgeliefert und durch die technischen Veränderungen wurde die Typenbezeichnung vom A2KN in A2KS geändert.

Verölte Zylinderkopfhauben
Mir fiel immer wieder auf, dass es einen Ölaustritt im Bereich der Zylinderkopfhauben gab.
Die Dichtungen waren einwandfrei. Es hatte den Anschein, dass Öl aus den Dosierölern auf den Zylinderkopfhauben austritt:
Dateianhang:
Dateikommentar: Dosieröler
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oeler.jpg [ 14 KiB | 5216-mal betrachtet ]

Der Dosieröler ist eine Vorrichtung, die den Kaltstart des Motors bei extremen Temperaturen erleichtern soll:
Hierzu soll z.B. eine Mischung aus zwei Teilen Motoröl SAE10 und einem Teil Diesel eingefüllt werden. dann muss der Dichtkegel nach unten gedrückt werden, damit das Gemisch n den Zylinder laufen kann.
War jetzt etwa die Druckfeder erlahmt, die den Dichtkegel zur Abdichtung drückt? Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Kompression so schlecht wäre, dass Abgase über den Ansaugkanal zurückblasen werden. Auch schlecht schließende Ventile können evtl. ein Grund sein. Schwierig auszumachen... Am einfachsten wäre es gewesen, eine Bildverschraubung statt der Dosieröler einzubauen. Doch ich wollte der Sache auf den Grund gehen.
Erst ein genauer Blick (LED-Leuchte + Fadenzieher) in den Öler brachte die Ursache zum Vorschein - der Vorbesitzer musst den Dichtkegel wohl mal mit einem Streichholz nach unten gedrückt haben, das dann abgebrochen war. Kein Wunder konnte der Kegel nicht mehr richtig abdichten. Es war dann ein ziemliches Gefummel, die Streichholzreste aus dem Öler rauszuholen.
Nun ist der Zylinderdeckel wieder "trocken".

Das Mähwerk
Dateianhang:
Dateikommentar: Mähwerk Rasspe
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DSC05813.JPG [ 1.31 MiB | 5183-mal betrachtet ]

Offensichtlich wurde der kleine Güldner hauptsächlich als Mähtraktor eingesetzt.
Und genau dafür will ich ihn auch einsetzen: zur Pflege von Streuobstwiesen!
Das Mähwerk war in einem erbärmlichen Zustand:
- wackelnde und abgebrochene Mähmesserklingen
- Kopfbandnieten lose (Kreuzschlitzschrauben waren zu Nieten umfunktioniert worden etc.)
- teilweise fehlten die Fingerplatten
- von der Mähwerksabdeckung waren nur noch Fragmente vorhanden
Auch hier hatte ich Glück, im Internet konnte ich eine gebrauchte Abdeckung finden.
Interessanterweise war die Originalfarbe grün, wurde dann in rot überlackiert bis der letzte Besitzer dann über allen Dreck/Fett/Farbereste dann blau gestrichen hat:
Dateianhang:
Dateikommentar: Mähwerksabdeckung
Abdeckung Mähwerk.JPG
Abdeckung Mähwerk.JPG [ 2.02 MiB | 5134-mal betrachtet ]


Vom gleichen Anbieter konnte ich auch noch Kotflügel für die Vorderräder ergattern. Dies waren einst auch als Sonderausrüstung gegen Mehrpreis erhältlich:
Dateianhang:
Dateikommentar: Kotflügel
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Dateianhang:
Dateikommentar: Der "neue" Kotflügel montiert
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kotflügel.jpg [ 323.12 KiB | 4765-mal betrachtet ]


- leider war bei dem Traktor kein Schwadblech dabei
Glücklicherweise konnte ich im Internet ein originales Schwadbrett ergattern:
Dateianhang:
Dateikommentar: Schwadblech Zustand beim Kauf
schwadblech.jpg
schwadblech.jpg [ 48.51 KiB | 5183-mal betrachtet ]

und "aufgehübscht":
Dateianhang:
Dateikommentar: Schwadblech Rasspe RS9422
schwadblech RS9422.JPG
schwadblech RS9422.JPG [ 500.55 KiB | 5183-mal betrachtet ]


Natürlich wurde auch die Mähwerksaufhängung, Schleppstange usw. aufgearbeitet
Dateianhang:
Dateikommentar: kompletter Winkelhebel
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100_4218.JPG [ 481.12 KiB | 5148-mal betrachtet ]


Der Mähwerks-Innenschuh RS 1885B hatte einen Riss, den man eigentlich schweißen konnte, die Innenschuhsohle war schon abgenutzt, die Schuhplatte fehlte komplett...
Im Internet fand ich glücklicherweise einen Schnellverschluss-Innenschuh so dass ich mein Mähwerk umbauen konnte.
Nebenbei angemerkt: Das Mähwerk des A2KS hängt ziemlich hoch am Traktor, was eine große Bodenfreiheit bietet. Ich hätte aber zum Einfahren in die Garage jedes Mal den Straßenfahrhaken des Mähbalkens aushängen müssen um nicht das Garagentor zu streifen. Einmal vergessen und schon hätte es gerumst... Jetzt wird der Mähbalken nur angebaut, wenn`s zum Mähen geht!

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BeitragVerfasst: Fr 14. Feb 2014, 20:08 
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Welchen Hatz-Traktor habt Ihr?: H113
Ein weiteres Indiz dafür, dass der Spessart als Mähtraktor fungierte - die einseitig abgenutzte Seilrolle war mal gebrochen und vom Vorbesitzer behelfsmäßig "zusammengeflickt" worden. Ich habe natürlich eine neue Seilrolle aus Guss eingebaut - zwar nicht Original aber der Zweck heiligt die Mittel (Original gibt`s nicht mehr) (sh. Foto):
Dateianhang:
Dateikommentar: Seilrolle
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Dateianhang:
Dateikommentar: Mähwerksaushebung fertig zusammengebaut
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DSC06375.JPG [ 1.38 MiB | 4769-mal betrachtet ]


Motorhaube
Ich hatte ja schon berichtet, dass die Haube, die aus Aluminium-Guss besteht etliche Farbabplatzer hatte und unter Aluminiumrost litt.
Zur Konservierung war es unabdingbar, die Haube zu überarbeiten.
Mit einem Negerkeks habe ich alles was an Farbe vorhanden war runtergeholt. Anschließend gespachtelt, grundiert und wieder in güldnerrot lackiert:
Dateianhang:
Dateikommentar: Haube aus Aluminium-Guß gespachtelt
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Dateianhang:
Dateikommentar: Grundierung
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Dateianhang:
Dateikommentar: und fertig lackiert
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DSC06378.JPG [ 1.31 MiB | 4769-mal betrachtet ]


Hier mal ein paar Detailbilder:
Dateianhang:
Dateikommentar: Das "Güldner-Schild" an der Motorhaube
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güldnerschild.jpg [ 358.99 KiB | 4765-mal betrachtet ]

Das "Güldner-Schild" mit feiner Drahbürste gesäubert und mit Klarlack geschützt

Dateianhang:
Dateikommentar: Detail - Haubenhalter
haubenhalterdetail.jpg
haubenhalterdetail.jpg [ 334.08 KiB | 4765-mal betrachtet ]

Hier mal als Detail ein Haubenhalter mit Messingschrauben

Dateianhang:
Dateikommentar: Haubenauflageband
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haubenauflageband.jpg [ 251.14 KiB | 4765-mal betrachtet ]

Was ich nur jedem Güldner-Besitzer empfehlen kann: benutzt ein Haubenauflageband!
In Original reibt Metall auf Metall (Haube auf Armaturenbrett) - ich habe hier ein Haubenauflageband eingeklebt (mit Würth "Klebt und dichtet").
Ergebnis: kein Scheuern mehr und optisch durchaus reizvoll.


Fortsetzung folgt.

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